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Warum die Erziehung der Liebe im Sandkasten scheitert

Hätten wir jemals nach diesem einen, alles verzehrenden Gefühl gesucht, wenn uns die Gebrüder Grimm und später die Traumfabrik in Kalifornien nicht mit einer Überdosis Kitsch zwangsernährt hätten? Wir alle sind aufgewachsen mit den filmischen Blaupausen von Pretty Woman, Titanic oder The Notebook. Wir wurden darauf konditioniert, den „One and Only“ zu finden, während wir in der Realität oft schon daran scheitern, jemanden zu finden, der den Geschirrspüler korrekt einräumt. Das Problem ist nicht das Verlangen, sondern das Bild. Wir jagen einer Fata Morgana hinterher, die in 24 Bildern pro Sekunde perfekt ausgeleuchtet wurde, während unsere Biologie im Neonlicht der Realität ganz andere Pläne verfolgt.
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Es beginnt auf dem Spielplatz, diesem soziologischen Minenfeld der frühen Kindheit. Irgendjemand nennen wir ihn den „Geist der patriarchalen Tradition“ entschied, dass Jungs mit Baggern und Hubschraubern den Zement für die Welt von morgen liefern müssen. Sie werden zu kleinen Bob-der-Baumeistern erzogen, die glauben, die Welt existiere nur, um von ihnen bebaut zu werden.

Währenddessen wird den Mädchen die Rolle der Barbie implantiert: hübsch, piepsig, dekorativ.

Doch hier liegt die Tragik: Wer gelernt hat, dass Präsenz nur durch Optik und ein „Aufgetackelt-Sein“ erzeugt wird, findet sich in der Realität oft in Dynamiken wieder, die eher dem Rotlichtmilieu oder der Pornoindustrie ähneln als einer partnerschaftlichen Augenhöhe. Die Frau spielt die Rolle des unschuldigen Mädchens, ohne zu merken, dass genau diese Infantilisierung der Grundstein für ihr späteres Unglück ist.

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Schauen wir uns das Paradebeispiel des modernen Beziehungs-Masochismus an: Sex and the City. Wir alle haben mitgefiebert, ob Carrie ihren Mr. Big bekommt. Aber wenn man zwischen den Zeilen liest und man muss dort lesen, um nicht intellektuell zu verhungern, sieht man einen Mann, der die Protagonistin nie wirklich respektiert hat.

Hier liegt der Kern des Missverständnisses: Kann man jemanden lieben, den man nicht respektiert? Die Antwort ist ein scharfes Nein. Respekt ist das Fundament; ohne ihn ist „Liebe“ nur eine euphemistische Bezeichnung für emotionale Abhängigkeit oder die Jagd nach dem nächsten Kick.

Was also ist das Ding, das wir so verzweifelt suchen? Wahre Liebe ist der Akt, die Existenz eines anderen Menschen zu sichern und sie niemals durch das eigene Verhalten in Gefahr zu bringen. Es ist wie mit hochwertiger Schokolade: Wenn man sie wirklich liebt, frisst man sie nicht gierig auf, bis sie weg ist, sondern man bewahrt sie an einem Ort auf, an dem sie in ihrer vollen Pracht existieren kann.

Doch wir begegnen Millionen von unglücklichen Menschen, die sich fragen, warum sie niemand liebt.

Die bittere Pille: Die Antwort liegt oft darin, dass sie es selbst nicht tun. Wer sich selbst liebt, ist nicht auf den „Supply“ eines anderen angewiesen. Bevor man sich also auf die Piste begibt, sollte man den Seelen-Motor beim Fachmann untersuchen lassen. Wenn die Eltern dort irreparabel am Getriebe gepfuscht haben, wird jede Fahrt in den Sonnenuntergang im Graben enden. Erst wenn Herz und Seele reisetauglich sind, wird das Leben kein Hollywood-Film, sondern etwas viel Besseres: die Realität.

Willkommen zur großen Show der kollektiven Selbsttäuschung

Haben Sie sich heute schon mal gefragt, warum Sie sich beim Anblick eines völlig fremden Menschen fühlen, als hätte jemand in Ihrem limbischen System eine Packung Wunderkerzen angezündet? Herzlichen Glückwunsch, Sie haben Chemie.

Aber bevor Sie jetzt die Hochzeitsplaner anrufen: Atmen Sie tief durch. Wir müssen reden. Wir leben in einer Welt, die uns verkauft hat, dass Schmetterlinge im Bauch das ultimative Qualitätssiegel für eine lebenslange Bindung seien. In Wahrheit ist das meistens nur ein hormoneller Amoklauf von Dopamin und Oxytocin die biologische Entsprechung eines Sugar Highs nach drei Litern Energy-Drink.

Das Problem ist, dass wir so darauf fixiert sind, dieses “Gefühl” zu erreichen, dass wir vergessen, was danach kommt.

Wir verwechseln den Rausch der Anziehung mit der Substanz der Liebe. Es ist ein bisschen wie bei einem schlechten Gebrauchtwagenkauf: Der Lack glänzt, der Verkäufer lächelt, aber unter der Haube sieht der Motor aus wie ein Klumpen Altmetall aus der DDR-Zeit. Wir stürzen uns in Beziehungen, weil wir jemanden suchen, der unsere inneren Leerräume füllt einen “Supply”, wie man in der Psychologie so schön sagt. Wenn wir dann merken, dass der andere kein Tankwart für unser Ego ist, sondern ein eigenständiger Mensch mit eigenen Neurosen, bricht das Kartenhaus zusammen.

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Echte Liebe ist kein Supply-Management. Sie ist die radikale Entscheidung, die Existenz des anderen zu schützen, selbst wenn der Hormonspiegel längst wieder auf dem Niveau eines staubigen Dienstagsnachmittags im Finanzamt angekommen ist. Wahre Liebe erkennt man daran, dass sie Sicherheit gibt, während toxische “Liebe” dieser glamouröse Unfall, den Hollywood uns so gerne verkauft uns ständig im Alarmzustand hält. Toxizität fühlt sich oft nach Leidenschaft an, ist aber in Wahrheit nur ein ungelöster Konflikt aus der Kindheit, der im Kostüm eines Partners wieder vor uns steht.

Der männliche Part in diesem Spiel ist oft besonders tragisch programmiert. In einer Welt, in der Jungs beigebracht wird, dass sie der Mittelpunkt des Universums sind, sobald sie einen Bagger unfallfrei von links nach rechts schieben können, entwickeln sie später eine Erwartungshaltung, die jeder Frau die Luft zum Atmen nimmt. Trifft dieser Mann auf eine Frau, die dieselbe Souveränität beansprucht, sieht er in ihr keine Partnerin, sondern eine Rivalin. Er beginnt, ihren Rang und ihre Fähigkeiten zu scannen, um sie im Zweifelsfall abzuwerten, damit sein eigenes, fragiles Kartenhaus-Ego nicht einstürzt.

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Doch die Lösung ist so simpel wie schmerzhaft: Bevor man den nächsten “Seelenverwandten” auf Tinder nach rechts wischt, sollte man vielleicht erst einmal den eigenen Seelen-Motor zum TÜV bringen. Die meisten von uns fahren mit einem Totalschaden durch die Gegend, den unsere Eltern uns freundlicherweise vererbt haben, und wundern sich, warum wir nach zwei Kilometern liegen bleiben. Wer sich selbst nicht liebt, sucht im anderen nur einen Spiegel, der das eigene Elend hübsch ausleuchtet. Wer sich hingegen selbst genügt, für den ist der andere kein Sauerstoffgerät, sondern eine Bereicherung.

Am Ende ist das Geheimnis ganz unspektakulär: Wahre Liebe ist die Freiheit, den anderen nicht zu brauchen, ihn aber zu wollen. Es ist das Wissen, dass die eigene Existenz nicht vom Verhalten des anderen abhängt, sondern in sich selbst ruht. Und wenn man diesen Punkt erreicht hat, braucht man auch keinen Weichzeichner aus Hollywood mehr.

Dann ist der Sonnenuntergang einfach nur ein astronomisches Ereignis und trotzdem verdammt schön.


Wissenschaftliche Quellen & Studien
  • Sternberg, R. J. (1986): A triangular theory of love. Erschienen in: Psychological Review. Eine der meistzitierten Arbeiten zur Struktur der Liebe. Link zur Studie (APA PsycNet)
  • Fisher, H. (2004): Why We Love: The Nature and Chemistry of Romantic Love. Helen Fisher erklärt hier die biochemischen Prozesse von Dopamin bis Oxytocin. Link zum Buch/Abstract (ResearchGate)
  • Gottman, J. M., & Silver, N. (1999): The Seven Principles for Making Marriage Work. Basierend auf Jahrzehnten klinischer Beobachtung im „Love Lab“ der University of Washington. Link zum Gottman Institute Research
  • Bowlby, J. (1988): A Secure Base: Parent-Child Attachment and Healthy Human Development. Das Standardwerk zur Bindungstheorie und wie frühkindliche Prägung unsere Beziehungsfähigkeit steuert. Link zur Publikation (Taylor & Francis)
  • Acevedo, B. P., & Aron, A. (2009): Does a long-term relationship kill romantic love? Eine neurobiologische Untersuchung darüber, wie romantische Liebe über Jahrzehnte im Gehirn stabil bleiben kann. Link zur Studie (SAGE Journals)

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